Dirk Schmitz zum Thema Abriss der Hochstraße Nord in Ludwigshafen





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Wahljahr 2017:
Der unabhängige Oberbürgermeister-Kandidat für Ludwigshafen Dirk Schmitz im Interview zum Thema Abriss der Hochstraße Nord in Ludwigshafen

Bezug nehmend auf Beitrag in der Rheinpfalz vom | rheinfpalz.de



Abriss der Hochstraße Nord in Ludwigshafen


Die Rheinpfalz berichtete am 12.04.2017: „Die Finanzierung des ab Ende 2019 geplanten Abrisses der Hochstraße Nord und des Baus einer Stadtstraße ist weiter offen. Das Bundesverkehrsministerium prüft, die Verantwortlichen im Ludwigshafener Rathaus warten. Doch Baudezernent Klaus Dillinger (CDU) und Kämmerer Dieter Feid (SPD) sind zuversichtlich, dass es bis zum Sommer eine Lösung zwischen Bund, dem Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Ludwigshafen gibt.“


Herr Schmitz, wie soll es mit dem Projekt weitergehen?

Dirk Schmitz: Wichtig ist für unsere fast insolvente Stadt die Kostentransparenz. Die realen Kosten für den Teilabriss des Rathauscenters müssen geklärt werden. Die Kommunikation zum Bund muss dringend verstärkt werden. Woran hängt es noch?

Welche Handlungsmöglichkeiten hat die Stadt?

Erst einmal: Was genau wurde in den Verhandlungen mit dem Bund erreicht? Gibt es konkrete Zusagen? Welche? Was hängt?

Wie realistisch ist es Ihrer Meinung nach, dass die Finanzierung bis Jahresende steht?

Ich lese keine Glaskugel. Fragen Sie die Stadt. Nach dem bisherigen unprofessionellen Projektmanagement sehe ich die Chancen minimal.

Muss sich die Stadt einen Plan B überlegen?

Im Moment gibt es keine klare Beurteilung der Lage. Einen „Plan B“ sollte man immer in der Tasche haben.

Wie sehen Sie die aktuellen Pläne generell?

Es gab vier Varianten, die offiziell diskutiert wurden: Stadtstraße kurz oder lang, Hochstraße ersetzen bzw. Verlauf verändern.

Was allen Varianten fehlt, ist ein erweitertes Verkehrskonzept, welches sich aus einem Stadtkonzept herleitet. So ist für mich und die Bürger nicht ersichtlich, wie die Verkehrsströme von Süden nach Norden gesteuert werden sollen. Die favorisierte Lösung Stadtstraße lang sehe ich eher als Hindernis, da die Heinigstraße nicht „ertüchtigt“ wird. Der Verkehr wird also weiter am Rhein entlanglaufen (Rheinallee, Rheinuferstraße, Zollhofstraße) und schon jetzt ist klar, dass er die neu prospektierten Wohngebiete verpesten und die Innenstadt weiterhin vom Rhein abschneiden.

Meiner Ansicht nach ist eine „Stadtstraße kurz“ die besser Variante. Dann hätten die Entscheider über eine verbesserte Süd-Nord-Verbindung bzw. Umfahrung des Rathauscenters nachdenken können. (siehe mein Stadtkonzept). Ob nun mit Tunnel oder anders, spielt erst einmal keine Rolle. Der Verkehr rollt immer in Richtung BASF.

Fakt ist, dass die Stadtstraße lang wohl kurzfristig die scheinbar billigste, aber auch einfallsloseste, zukunftsschädlichste und damit final teuerste Variante ist.


Herr Schmitz, wie sollten Ihrer Meinung nach die nächsten Schritte aussehen und welchen Kostenschlüssel erachten Sie als sinnvoll?

Ludwigshafen ist mit diesem Projekt komplett überfordert. Bund und Land haben einen Großteil der Misere durch verantwortungslose Aufgabendelegation, vor allem im Sozialen, verursacht. Objektiv kann unsere Stadt bestenfalls einen symbolischen Beitrag leisten. Die Hauptnutzer, unsere Nachbargemeinden, müssen mit ins Boot geholt werden. Auch wenn das Land dann letztlich für diese zahlt.

Ist das Projekt überhaupt noch realistisch?

Das kann ich als noch Außenstehender derzeit nicht entscheiden. Es wurde absichtlich Transparenz verhindert. Vor allem lehne ich derzeit einen Abriss ab. Am Ende kann es sein, dass aus „Sachzwängen“ eine schrittweise Sanierung erfolgen wird.

Wie sieht Ihr Stadt- und Verkehrskonzept für Ludwigshafen denn aus?

Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit der Stadtplanung auseinandergesetzt und mit vielen Freunden und Insidern gesprochen. Dabei habe ich viele gute Ideen mitgenommen.

Durch den Ausbau einer City-Magistrale über Saarlandstraße, Heinigstraße und einen kurzen, kreuzungsfreien Verkehrstunnel nördlich des Rathaus-Centers muss der Verkehr vom Rheinufer auf die Westseite der Innenstadt verlegt und beschleunigt werden. Die Zollhofstraße und weitere Teile der Innenstadt sollen mittelfristig zum verkehrsberuhigten Raum umgestaltet und teilbegrünt werden. Letztlich muss unser Konzept immer auch autofreundlich sein. Nur so punkten wir gegenüber Mannheim.

Die BASF ist nicht nur „der Arbeitgeber“ der Stadt Ludwigshafen. Sie ist auch „Problembär“ im Sinne eines Verkehrsmagneten. Somit müssen die Verkehrsströme auch auf die Bedürfnisse der BASF und ihrer Mitarbeiter ausgerichtet werden. Hier muss die BASF auch kostentechnisch beteiligt werden. Der Verkehr rollt von der BASF Richtung Süden entweder über das westliche Rheinufer (Zollhofstraße) oder über die regelmäßig durch Stau blockierte Hochstraße Nord. Das Rathaus-Center mit seinem nördlichen und südlichen Fußgängerbereich ist wesentliche Verkehrsblockade.

Der Neubau der Hochstraße Nord ist die Chance diese Blockade zu durchbrechen. Mit einer Verkehrsführung auf drei Ebenen nördlich des Rathaus-Centers kann der Verkehrsfluss an der Innenstadt vorbeigeführt werden. Dazu ist jedoch der Bau eines kurzen Autotunnels nördlich des Rathaus-Centers notwendig. Dieser verbindet auf direktem Wege und unbeeinflusst von den West-Ost-Verkehrsströmen der neuen (Hoch)-Straße die Heinigstraße mit der Rheinuferstraße. Auf dem „Dach“ dieses Verkehrstunnels wird eine durchgängige Fußgängerzone in Nord-Süd-Richtung weiterhin Bestand haben. Darüber, auf der dritten Verkehrsebene, rollt der Verkehr Richtung Mannheim über eine modifizierte Straße, welche auch weiterhin als Hochstraße im Bereich nördlich des Rathaus-Centers ausgelegt werden soll. Hierzu ist wohl ein Teilabriss im nördlichen Teil des Rathaus-Centers notwendig. Die verlorenen Einzelhandelskapazitäten am Rathaus-Center können in die vom Rathaus-Center bis zur Bahnhofstraße „überdachte“ Bismarckstraße verlegt und umgesiedelt werden.

Verlorene Parkkapazitäten werden in ein neues Parkhaus verlegt, welches im Bereich Rathausplatz, nördliche Zollhofstraße, Verkehrsknoten Hochstraße / Zollhofstraße errichtet und mit dem Rathaus-Center verbunden wird. Dieses erhält eine Durchfahrt zur nördlichen Parkeinfahrt der Rheingalerie und auf Ebene der neuen Hochstraße eine direkte Anbindung. Somit hat jeder über die Hochstraße einen einfachen Zugang zum Einkauf in der Innenstadt.

Die Umleitung des Fahrzeugverkehrs vom Rheinufer auf die Westseite der Innenstadt erfordert einen besseren Abfluss des Verkehrsstromes über die Heinigstraße und Saarlandstraße im Süden von Ludwigshafen.

Mit der Verlegung des Verkehrs vom Rhein auf die Westseite der Innenstadt ergeben sich für Ludwigshafen Potentiale als „grüne Stadt am Rhein“ etabliert zu werden. Dies wird aber nur möglich sein, wenn beim Neubau der (Hoch)-Straße Nord nicht zu kurz gedacht wird und das Verkehrskonzept um das Rathaus-Center herum so gestaltet ist, dass weitere Optionen offen bleiben.

Ein erneutes „Verbauen“ der Innenstadt durch eine ideenlose „Umfahrung“ des Rathaus-Centers wäre eine weitere Sünde an der Stadt. Jetzt könnte es einen Befreiungsschlag geben. Eine entlastete Rheinseite gibt viele Chancen für eine neue Einkaufs- und Erlebniszone City.



Im Interview mit Dirk Schmitz
Unabhängiger Oberbürgermeister-Kandidat für Ludwigshafen