Dirk Schmitz zum Thema Sargpflicht für muslimische Verstorbene





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Wahljahr 2017:
Der unabhängige Oberbürgermeister-Kandidat für Ludwigshafen Dirk Schmitz zum Thema Sargpflicht für muslimische Verstorbene

Bezug nehmend auf Beitrag in der Rheinpfalz vom | rheinfpalz.de



Ludwigshafen will nicht auf Särge verzichten


Die Rheinpfalz berichtet darüber, dass die Stadt Ludwigshafen auf die Sargpflicht für muslimische Verstorbene besteht. Hiergegen wende ich mich. Im Falle der Amtsübernahme werde ich die Sargpflicht als Ausnahme für Muslime - so von den Hinterbliebenen gewünscht – aussetzen.


Wenn wir Respekt vor unserer Lebensart fordern und auch mit deutlich klareren Gesetzen notfalls exekutieren, entspricht es zugleich dem Respekt im Tode, auch religiöse Formen anzuerkennen, die uns fremd sind, wenn sie dem Kollektiv nicht schaden.

§ 13 des Bestattungsgesetzes Rheinland-Pfalz sagt wörtlich:
„Leichen sind nach Abschluss der Leichenschau unverzüglich einzusargen. Während der Überführung und während der Bestattungsfeier sowie außerhalb von Leichenhallen ist der Sarg geschlossen zu halten. Die örtliche Ordnungsbehörde kann Ausnahmen zulassen.“ Diese Ausnahme ist auch als Gruppenausnahme möglich und wird in anderen Regionen auch so umgesetzt. Zugleich soll dies auch Nichtmuslime im Rahmen individueller Entscheidung gelten.

Die Auffassung der Stadtverwaltung Ludwigshafen geht an der Lebens- und Todeswirklichkeit vorbei. Es gibt keine hygienischen Gründe gegen die Tuchbestattung. Zwar können - findet die Bestattung später als 24 Stunden nach dem Todesfall statt - Körperflüssigkeiten freigesetzt werden. Deshalb sollen für den Transport im Falle einer Beerdigung nach mehr als 24 Stunden feste, geschlossene Behältnisse verwandt werden. Aus hygienischer Sicht ist unerheblich, ob der Leichnam im Grab selbst nur in Tücher gehüllt ist oder z.B. in einem Sarg liegt. Es muss Sorge dafür getragen werden, dass eine sehr zügige Bestattung ermöglicht wird - oder aber beim Transport der Austritt von Körperflüssigkeiten berücksichtigt wird (Kühlung, dichter Transportsarg, der auch wieder verwendbar sein kann). Hier muss eine modifizierte Satzung der Stadt Ludwigshafen vorsehen, dass Mehrkosten insoweit berechnet werden. Ein Sarg schafft durch die um den Leichnam geschaffene Lufthülle keine bessere Verwesung und verhindert keine Fettwachsleichen. Wissenschaftlich wird teilweise das Gegenteil vertreten, nämlich, dass der unmittelbare Kontakt der Erde (und der darin enthaltenen Mikroorganismen) mit dem Leichnam eine Verwesung beschleunigt. Unstreitig ist, dass manche Särge zu einer Verwesungshemmung führen. Dies betrifft gerade hochwertige oder lackierte Särge, deren Holz sich nur langsam auflöst und die den Leichnam luftdicht einschließen. In keinem Fall ist nach meiner Recherche wissenschaftlich belegt, dass die Verwendung von Leichentüchern häufiger zu einer Wachsleichenbildung führt.

Also lassen Sie uns auf den Friedhöfen mehr Liberalität walten lassen – auch bei der Grabdekoration, Grabsteinen und Bildern. Gerade der letzte Weg ist der Spiegel einer Gesellschaft.

Dirk Schmitz
Unabhängiger Oberbürgermeister-Kandidat für Ludwigshafen